Mensch und Computer 2026: Unsere Highlights aus Duisburg

Ende August fand die Mensch und Computer an der Universität Duisburg-Essen statt. Unter dem Leitthema „Transforming Interactions“ kamen Forschende und Praktiker:innen zusammen, um über die Zukunft der Mensch-Computer-Interaktion zu sprechen. Aus dem vielseitigen Programm greifen wir ein paar Impulse heraus, die uns am meisten beschäftigt haben.

LLM-Evaluation: Ist das noch Usability?

Neben den Vorträgen anderer wollen wir auch kurz auf unseren eigenen Beitrag zurückblicken.

Immer öfter bekommen wir von Kunden die Frage: Wie können wir unser LLM-System sinnvoll evaluieren? Unser erster Impuls war naheliegend: ein klassischer Usability-Test. Doch schon bei der Planung fällt auf, dass dabei viel mehr gleichzeitig variiert als bei klassischer Software. Aufgabe, Prompt, KI-Vorwissen und Fachexpertise unterscheiden sich von Person zu Person, und am Ende erhält jede:r eine andere Antwort.

Für uns heißt das: Neben der Interaktionsqualität müssen wir auch die Output-Qualität und den Nutzwert im echten Kontext mit in den Blick nehmen. Denn eine Interaktion kann flüssig wirken, obwohl die Antwort fachliche Lücken hat, und eine fachlich korrekte Antwort kann trotzdem für die konkrete Situation zu lang oder zu komplex sein. Genau da setzen wir in unserer Praxis an: Wir lassen z.B. Testpersonen mit eigenen, freien Prompts arbeiten statt mit vorgegebenen, und wir lassen sie ihre Erwartungen an die Antwort festhalten, bevor sie diese sehen. So können wir die Antwort im Anschluss viel gezielter bewerten, statt uns nur auf den nachträglichen Eindruck zu verlassen.
Wie bei einigen anderen Themen der MuC hat sich gezeigt: Hier steht die Forschung noch am Anfang, und niemand hat schon eine fertige Antwort. Auch wir sammeln weiter Erfahrungen und schärfen unsere Methodik. Genau deshalb beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema – und beraten auch gern dazu.

CABito: Wie inklusive UX digitale Teilhabe ermöglicht

Ein wundervolles Beispiel für die Kraft, die in Nutzerforschung steckt, war für uns der Vortrag von Laura Marwede und Claudia Sophia Göppert über CABito. Der inklusive Kommunikationsassistent der CABkom gGmbH ist aus einer sehr konkreten Alltagssituation heraus entstanden: Informationen hingen in den Einrichtungen der Caritas an einem schwarzen Brett, waren aber nicht für alle Menschen gleichermaßen zugänglich.

Bei der Entwicklung einer Alternative wurden die späteren Nutzer:innen konsequent einbezogen. Gemeinsam mit Menschen aus den Einrichtungen und Werkstätten entstand ein System, das einfache Sprache, visuelle Hilfen und Vorlesefunktionen verbindet. Ein betroffener Nutzer war an der Vorstellung des Systems im Vortrag beteiligt und machte anhand realer Nutzungssituationen sichtbar, was digitale Teilhabe im Alltag bedeuten kann.

Für uns ist CABito ein Beispiel dafür, wie Nutzerforschung und Co-Creation zu Lösungen führen, die Menschen wirklich brauchen und gerne nutzen. In diesem Fall entstand dadurch eine so große Nachfrage, dass das Projekt zusätzliche Fördergelder erhalten konnte und in Zukunft noch mehr Menschen davon profitieren werden.

The AI-empowered research participant: Wenn nicht nur Forschende KI nutzen

Lydia Penkert hat uns mit ihrem Vortrag auf eine Seite der KI-Diskussion aufmerksam gemacht, die wir bisher weniger im Blick hatten. Meist fragen wir uns, wie wir KI für unsere Nutzerforschung einsetzen können. Aber was passiert, wenn die Teilnehmenden selbst KI nutzen, um an einer Studie teilzunehmen?

Bei asynchronen Usability-Tests und Online-Befragungen können KI-Assistenten inzwischen Antworten formulieren oder ganze Teile einer Studie übernehmen. Im Extremfall erscheint in einem Interview vielleicht sogar ein Avatar anstelle eines Menschen. Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Erfassen wir noch die Erfahrungen einer Person – oder die Fähigkeiten eines Sprachmodells?

Im besten Fall nutzen Testpersonen KI, um sich besser auszudrücken. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie weniger Zeit und Mühe investieren wollen, um das Incentive zu erhalten. So werden Studien verfälscht. Lydia berichtete, dass in ihrer eigenen Studie offensichtlich Screening-Kriterien umgangen wurden. Das Thema ist momentan vor allem bei asynchroner Forschung relevant. Wir spüren diese Entwicklung bei unserer Arbeit noch nicht, weil wir vornehmlich mit Live-Interviews und moderierten Usability-Tests arbeiten.

Der Vortrag hat uns trotzdem sehr zum Nachdenken gebracht. Wie zuverlässig sind Remote-Studien in Zukunft noch? Und gewinnt der direkte Kontakt mit Menschen vielleicht wieder an Bedeutung?

 

Pragmatische UX Research: Wenn Forschung selbst eine gute User Experience braucht

Sehr aus der Seele gesprochen hat uns der Vortrag von Wolfram Nagel. Er berichtete aus seinem Berufsalltag bei TeamViewer und davon, wie er versucht, mit den vorhandenen Kapazitäten möglichst viel Wirkung zu erzeugen.

Genau wie wir macht Wolfram sich viele Gedanken zur optimalen Vermittlung von Research-Ergebnissen. Denn die eigentlichen Nutzer:innen von Research-Ergebnissen sind die Personen, die diese verstehen und für ihre Arbeit nutzen sollen. Wenn sie die Inhalte nicht finden oder nicht mit ihnen arbeiten können, bleibt auch gute Forschung wirkungslos.

Wolfram beschrieb ganz konkret, mit welchen Maßnahmen er versucht, Ergebnisse besser aufzubereiten. Er arbeitet zum Beispiel daran, Ergebnisse über Chatbots zugreifbar zu machen. Außerdem hat er die Ergebnisworkshops verändert. Die Teilnehmenden bekommen inzwischen bewusst Zeit, sich die Ergebnisse selbst anzusehen, bevor gemeinsam Fragen besprochen werden. Seine Beobachtung: Die Fragen sind dadurch konkreter geworden, und auch im Anschluss kommen häufiger Rückfragen.

Genau diese Gedanken beschäftigen auch uns bei usability.de. Nutzerforschung endet nicht mit dem letzten Interview und auch nicht mit dem fertigen Report. Die Ergebnisse müssen so aufbereitet sein, dass die Menschen, die damit weiterarbeiten, schnell verstehen, was wichtig ist und was daraus folgt. Der Vortrag war für uns deshalb ein schöner Impuls, zu sehen, dass auch andere in der Branche sich diese Gedanken machen.