MedUsability Symposium: Unsere Highlights aus Mannheim

Im Juni 2026 richtete der Arbeitskreis Med&Health der German UPA zum ersten Mal das „MedUsability Symposium“ aus und brachte in Mannheim Menschen zusammen, die sich mit Medical Usability Engineering beschäftigen. Da mussten natürlich auch wir unbedingt dabei sein. Aus dem vollen Programm haben wir viele Impulse für uns mitgenommen, die uns auch nach der Konferenz weiter beschäftigen werden.

Leinwand mit Stühlen im Vordergrund mit der Aufschrift MedUsability Symposium 2026

Die Stühle haben sich bis zum Beginn des Symposiums noch ordentlich gefüllt.

📝  eIFU: Mehr als ein PDF

Besonders anschaulich war Florian Schauderna zur Entwicklung elektronischer Instructions for Use (IFU). Die wichtigste Erkenntnis für uns: Eine eIFU sollte nicht einfach die Papier-Gebrauchsanweisung als PDF ersetzen. Wenn man schon digital wird, sollte die Anwendung auch wirkliche Mehrwerte bieten.

Im vorgestellten Pilotprojekt ging es um Medikamente für Kinder, die noch keine Tabletten schlucken können. Also um einen Nutzungskontext, in dem Verständlichkeit und Dosiergenauigkeit absolut entscheidend sind. Hängen geblieben ist uns: In eIFUs können durch verschiedene Medien echte Mehrwerte geschaffen werden, aber eine digitale Version ist nicht automatisch übersichtlicher.

🆕 IEC TS 62366-2: Mehr Klarheit für typische Projektfragen

Auch die kommende Überarbeitung der IEC TS 62366-2 war für uns spannend. Aus dem bisherigen Technical Report soll eine Technical Specification mit stärkerer Anlehnung an die IEC 62366-1 werden. Darüber berichteten Marcella Makowski und Torsten Gruchmann.

Für die Praxis besonders interessant: Wann kann man den Usability-Engineering-Aufwand sinnvoll anpassen? Wann lassen sich formative oder summative Evaluationen reduzieren? Und wie begründet man den gewählten Pfad belastbar?

Ebenfalls relevant: regionale Unterschiede, übersetzte User Interfaces und die Frage, wann Ergebnisse aus einem Land wirklich auf ein anderes übertragbar sind. Also genau die Themen, die in internationalen Projekten schnell sehr konkret werden.

🤖 KI-fähige Medizinprodukte: Wenn nicht nur Menschen unberechenbar sind

Natürlich ging es auch um KI. Medizinprodukte sollen eigentlich möglichst vorhersagbar reagieren. Bei Nutzenden haben wir Wahrnehmung und Interpretation schon immer als Fehlervariable. Mit KI kommt auf Geräteseite eine neue Variabilität dazu.

Spannend fanden wir das von Michael Engler vorgestellte Testprinzip: Erst entscheidet der Mensch, dann bekommt er eine AI-Empfehlung, anschließend entscheidet er erneut. So lässt sich sichtbar machen, welchen Einfluss die KI auf Entscheidungen hat.

Bei LLM-basierten Anwendungen wird klassisches Usability Testing damit aber nicht einfacher. Woran erkennen wir, dass eine KI-Antwort eine gute Antwort aus Nutzersicht ist? Diese Frage wird uns weiter beschäftigen.

🔬 Reallabor: Forschung mitten im Klinikalltag

Ein Programmpunkt, der uns besonders begeistert hat, war die Besichtigung der Mannheimer Reallabore. Denn so spannend Vorträge auch sind: Es ist nochmal etwas anderes, einen Ort zu sehen, an dem Forschung mitten im Klinikalltag stattfinden kann.

Beeindruckt hat uns das reale Setting. Im INSPIRE Living Lab können MedTech- und Digital-Health-Lösungen in tatsächlichen Stationsabläufen getestet werden – also dort, wo später auch Nutzung, Zeitdruck, Routinen und kleine Alltagsstörungen zusammenkommen

OP-Raum mit diversen Geräten: Kameras, OP-Tisch, Roboterarm und Bildschirmen.

Hybrid-OP, in dem OP-Situationen realistisch nachgestellt werden können.

⚠️ Korrekte Nutzung oder kritischer Befund?

Bei der Evaluation von Medizinprodukten ist es entscheidend, Usability-Befunde strukturiert zu bewerten und zu dokumentieren. Doch wie testet man komplexe Nutzungssituationen so, dass sich daraus verlässliche Ergebnisse ableiten lassen? Und wie ordnet man beobachtetes Verhalten zweifelsfrei ein?

Dass das in der Praxis nicht immer leicht zu beantworten ist, zeigte der Vortrag von Judith Kemper, in dem sie mehrere Beispiele aus ihrer Arbeit vorstellte. Die Diskussionen waren bei einem Publikum voller Usability-Engineers vorprogrammiert. Und genau das macht eine solche Konferenz so bereichernd. 😉

 

Wir haben uns sehr gefreut, die Medical-UX-Community näher kennenzulernen und uns intensiv auszutauschen. Nächstes Jahr werden wir gerne wiederkommen!! ☺️

 

3 Personen lächeln in die Kamera

Jana, Luisa und Alex zu Gast beim MedUsability Symposium in Mannheim.