Das war die Mensch und Computer 2025 – #muc2025

Vom 31. August bis 03. September 2025 öffnete die TU Chemnitz ihre Türen für die „Mensch und Computer“-Konferenz. Auch dieses Jahr zog sie erneut knapp 600 Teilnehmende aus ganz Deutschland und darüber hinaus an. Unter dem Motto „Digital Diversity“ fanden sich Wissenschaft und Praxis zu zahlreichen Vorträgen, Diskussionen und Workshops zusammen. Wir haben spannende Vorträge besucht und möchten eine kleine Auswahl unserer Eindrücke teilen.

Zentrales Hörsaal- und Seminargebäude der TU Chemnitz von außen.

Zentrales Hörsaal- und Seminargebäude der TU Chemnitz.

Unser Beitrag: „Tipps und Tricks für einen noch besseren Usability-Test“

In ihrem Beitrag „Tipps und Tricks für einen noch besseren Usability-Test“ hat Michaela Thölke von usability.de gemeinsam mit Rolf Molich vier zentrale Themen behandelt: Briefing, Moderation, Testaufgaben und Debriefing. Dabei ging es nicht um Theorie, sondern um konkrete Situationen aus der Praxis.

Besonders spannend war die Diskussion zur Moderation: Wie reagieren wir, wenn ein Proband mitten im Test fragt, warum die Kinotickets plötzlich teurer sind? Viele würden erklären – doch genau das wäre falsch. Unsere Empfehlung: neutral bleiben und die Reflexion anregen, zum Beispiel mit der Frage: „Was würden Sie im echten Leben tun, wenn ich nicht da wäre?“

Auch bei den Testaufgaben zeigte sich, dass kleine Unterschiede große Wirkung haben. Statt schwammiger Anweisungen wie „Finden Sie ein interessantes Produkt“ braucht es Aufgaben mit diagnostischem Wert. Nur so liefern Tests belastbare Ergebnisse.

Unser Fazit: Ob beim Briefing, in der Moderation, bei den Aufgaben oder im Debriefing – die Qualität der Durchführung entscheidet, ob ein Test echte Erkenntnisse bringt oder nur oberflächliche Eindrücke.

 

Folie zum Thema Moderation aus dem Vortrag von Michaela Thölke und Rolf Molich. Stichpunkte: Flow nicht stören, Reaktionen auffangen, Debriefing nutzen, neutral bleiben.

Folie zum Thema Moderation aus dem Vortrag von Michaela Thölke und Rolf Molich.

Vortrag: „UX-Change: Wenn das mittlere Management die Spur blockiert?!“

In ihrem Vortrag „Wenn das mittlere Management die Spur blockiert?!“ hat Michaela Thölke von usability.de gemeinsam mit Tobias Busch von dSPACE gezeigt, wie man eine UX-Transformation methodisch angehen kann.

 

Michaela Thölke (rechts, usability.de) und Tobias Busch (links, dSPACE) bei der Präsentation ihres Vortrags.

Michaela Thölke (rechts, usability.de) und Tobias Busch (links, dSPACE) bei der Präsentation ihres Vortrags.

 

Hypothesen überprüfen

Das UX-Team bei dSPACE hatte die Hypothese, dass vor allem das mittlere Management den UX-Fortschritt bremst. Um diese Annahme zu überprüfen, haben wir 20 Stakeholder-Interviews durchgeführt – mit Bereichsleitern, Segmentverantwortlichen und der Geschäftsführung.

Ergebnisse

Die Hypothese bestätigte sich teilweise: Viele Stakeholder kannten den Mehrwert von UX nicht oder hatten falsche Vorstellungen. Typische Aussagen waren: „UX ist doch nur Design und Styleguide.“ oder „Selbst wenn die Bedienung schlecht ist, hat das keinen Einfluss auf unser Business.“
Das machte deutlich, warum UX-Maßnahmen bisher kaum Wirkung entfalten konnten: fehlendes Wissen, geringe Sichtbarkeit des UX-Teams und ein Kulturmuster, das Features über Nutzerfreundlichkeit stellt.

Maßnahmen und Wirkung

Auf Basis der Interviews haben wir gemeinsam mit dSPACE einen Potentialfeld-Workshop durchgeführt und wir konnten Potentiale für die operative Arbeit festlegen. Danach wurden Rollen und Zuständigkeiten für UX klarer definiert, Research-Kompetenzen ausgebaut und ein Pilotprojekt gestartet, bei dem UX von Beginn an integriert war.
Schon nach wenigen Monaten zeigte sich Wirkung: neue UX-Rollen wurden besetzt, das Team erhielt mehr Sichtbarkeit und es gab eine spürbare Nachfrage nach UX-Support.

Unser Fazit: Hypothesen allein reichen nicht – erst durch methodisches Vorgehen und strukturierte Maßnahmen gelingt es, Hindernisse sichtbar zu machen und nachhaltige Veränderungen anzustoßen.

Vortrag im Wissenschafts-Track: „IVAs’ Future in Therapy: Investigating the Impact of Intelligent Virtual Agents in VR on Psychological Self-Help Exercises and User Satisfaction“ 

Der Wissenschafts-Track der MuC hat gezeigt, wie sehr digitale Erlebnisse davon abhängen, wie wir sie gestalten. Sebastian Rings präsentierte eine Studie, in der psychologische Selbsthilfeübungen entweder über eine klassische App oder als immersives VR-Erlebnis mit einem intelligenten virtuellen Agenten (IVA) durchgeführt wurden. Genau solche Vergleiche machen sichtbar, welchen Unterschied Interaktivität und Präsenz für Nutzer*innen ausmachen – und welche Chancen darin für UX stecken.

Die Ergebnisse zeigen: VR mit IVA erzeugte deutlich mehr Immersion und Fokus, und viele Teilnehmende empfanden den IVA als eine Art „digitalen Therapeuten“, der sie intuitiv durch die Übungen leitete.

Spannend: Trotz des höheren Aufwands entschieden sich zwei Drittel der Teilnehmenden für die VR-Erfahrung. Die Studie macht deutlich: Immersive, interaktive und menschlich wirkende digitale Begleiter können Nutzerengagement nachhaltig steigern – auch wenn sie mehr Anstrengung erfordern.

 

Beispielansicht der VR-Umgebung.

Beispielansicht der VR-Umgebung.

Digitale Teilhabe oder digitale Spaltung?

Diesen wichtigen Denkanstoß gab uns Sonja Wilczek in ihrer Keynote „Digital für alle – Mitgestalten statt ausschließen“. Digitale Barrierefreiheit ist gerade in diesem Jahr eines der zentralen Themen schlechthin und ein an vielen Stellen wichtiges Ziel. „Digitale Teilhabe ist gesellschaftliche Teilhabe“ – doch nicht jeder Mensch kann oder möchte digital teilnehmen. Was passiert also, wenn analoge Lösungen abgeschafft und digitale Lösungen zum Zwang werden? Wenn beispielsweise Senior*innen ihr Busticket nicht mehr direkt beim Fahrpersonal kaufen können, sondern ausschließlich über eine App? Wird digitale Teilhabe dann zur digitalen Spaltung? Grenzen wir Menschen aus, die digitale Angebote nicht nutzen können, oder nicht nutzen wollen?

Ein Impuls, der uns daran erinnert, diese Fragen auch in unserer täglichen Arbeit stets mitzudenken.

 

Animiertes Bild einer Gruppe von Personen. Unter jedem Gesicht ist eine Einschränkung beschrieben, z. B.: kann nicht mehr laufen. Leidet unter Depressionen. Spricht kein Deutsch. Hat wenig Geld. Hat keinen Schulabschluss. Ist blind. Und so weiter.

Einschränkungen können auch temporär und vielfältig sein. Fast alle Menschen sind irgendwann im Laufe ihres Lebens von einer Einschränkung betroffen.

 

Grafik, die Daten zeigt: 51 % haben eine geringe Digital-Kompetenz, 16 % wollen in einer Welt ohne Digitale Tools leben, 4 % sind offline.

Statistische Angaben zur Bereitwilligkeit und Fähigkeit zur digitalen Teilhabe.

 

Rahmenprogramm

Das entspannte Rahmenprogramm, wie beispielsweise die Welcome Reception am Sonntag, das Networking Dinner am Dienstag, oder auch einfach nur die Kaffeepausen zwischendurch, bietet eine zwanglose Gelegenheit, andere UXler kennenzulernen und sich zu vernetzen.

 

Teilnehmende der Konferenz beim Austausch in der Kaffeepause im Foyer. Es sind Getränkespender und Gebäck auf den Tischen ringsum zu sehen.

Teilnehmende der Konferenz beim Austausch in der Kaffeepause im Foyer.

 

Die MuC hatte dieses Jahr jedoch eine Besonderheit: Es wurde das 25-jährige Jubiläum gefeiert! Entsprechend wurde am Dienstag beim Networking Dinner groß aufgelegt: Neben DJ, Diskokugel, großen Leuchtbuchstaben und Kuchen gab es auch eine Tischtennisplatte und eine Mario-Kart-Ecke – und natürlich ganz viel Spaß. Happy birthday MuC!

 

Das Networking Dinner im Kraftverkehr in Chemnitz. Menschen sitzen an langen Tischen zusammen unter lila- und rotfarbenem Stimmungslicht und einer Diskokugel.

Das Networking Dinner im Kraftverkehr in Chemnitz.

 

MUC2025 in großen Leuchtbuchstaben.

MUC2025 in großen Leuchtbuchstaben.